Die eigene Zahnarztpraxis steht für berufliche Freiheit, unternehmerische Gestaltungsmöglichkeiten und die Chance, Zahnmedizin nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Gleichzeitig ist die Existenzgründung eine der größten finanziellen Entscheidungen im Berufsleben.
Eine der ersten Fragen lautet deshalb fast immer: Was kostet mich die Gründung einer eigenen Zahnarztpraxis?
Die kurze Antwort: Für die Übernahme einer bestehenden Einzelpraxis wurden 2024 durchschnittlich rund 450.000 Eurofinanziert. Bei der vollständigen Neugründung einer Einzelpraxis lag der Median bei 690.000 Euro. Je nach Standort, Praxisgröße, Umbauaufwand und technischer Ausstattung kann die tatsächliche Investition jedoch deutlich darunter oder darüber liegen.
Entscheidend ist daher nicht nur die Gesamtsumme. Wichtig ist, aus welchen Positionen sie besteht, welche Reserven eingeplant sind und ob die spätere Praxis die Finanzierung dauerhaft tragen kann.
Praxisübernahme oder Neugründung: Der Unterschied ist erheblich
Ob eine Zahnarztpraxis übernommen oder vollständig neu gegründet wird, hat großen Einfluss auf die Investitionshöhe.
Bei einer Praxisübernahme werden ein vorhandener Patientenstamm, bestehende Praxisstrukturen, Geräte, Einrichtung und häufig auch ein eingespieltes Team übernommen. Dennoch entstehen zusätzlich zum Kaufpreis oft erhebliche Kosten für Modernisierung, neue Medizintechnik, IT und Betriebsmittel.
Eine Neugründung bietet mehr Freiheit bei Standort, Raumkonzept, Gestaltung, Digitalisierung und Behandlungsschwerpunkten. Dafür müssen nahezu alle Strukturen neu geschaffen werden – vom Ausbau der Räume über die Behandlungseinheiten bis zur Praxissoftware und zum ersten Materialbestand.
Wer noch zwischen beiden Wegen abwägt, findet auf praxisangebote.dental aktuelle Zahnarztpraxen und geeignete Praxisflächen. Eine erste persönliche Standortbestimmung bietet außerdem der Beitrag zum digitalen Gründungs-Navigator.
Aktuelle Zahlen: So hoch waren die Investitionen 2024
Der aktuelle InvestMonitor Zahnarztpraxis des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) und der Deutschen Apotheker- und Ärztebank wertet Finanzierungen zahnärztlicher Existenzgründungen aus. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, nicht nur den Kaufpreis zu betrachten.
Durchschnittliche Investition bei Übernahme einer Einzelpraxis
| Kostenposition | Durchschnitt 2024 |
|---|---|
| Ideeller Wert der Praxis (Goodwill) | 153.000 Euro |
| Materieller Wert (Substanzwert) | 73.000 Euro |
| Kaufpreis insgesamt | 226.000 Euro |
| Modernisierung und Umbau | 36.000 Euro |
| Medizinisch-technische Geräte | 79.000 Euro |
| Einrichtung und IT | 27.000 Euro |
| Sonstige Investitionen einschließlich Betriebsmittel | 82.000 Euro |
| Gesamtinvestition | 450.000 Euro |
Der Kaufpreis machte damit im Durchschnitt nur etwa die Hälfte der gesamten Investition aus. Genau hier liegt eine häufige Fehleinschätzung: Eine vermeintlich günstig angebotene Praxis kann durch Umbau, technische Erneuerung und zusätzlichen Liquiditätsbedarf erheblich teurer werden.
Durchschnittliche Investition bei einer Praxisneugründung
| Kostenposition | Durchschnitt 2024 |
|---|---|
| Modernisierung und Umbau | 208.000 Euro |
| Medizinisch-technische Geräte | 348.000 Euro |
| Einrichtung und IT | 112.000 Euro |
| Sonstige Investitionen einschließlich Betriebsmittel | 185.000 Euro |
| Durchschnittliche Gesamtinvestition | 853.000 Euro |
Da einzelne große und besonders technisierte Praxen den Durchschnitt stark erhöhen, ist der Median aussagekräftiger: Er lag bei 690.000 Euro. Das bedeutet, dass die Hälfte der untersuchten Neugründungen unter und die andere Hälfte über diesem Wert lag. Wegen der geringen Zahl ausgewerteter Neugründungen sind diese Werte als Orientierung und nicht als persönlicher Kostenvoranschlag zu verstehen.
Quelle: IDZ – Investitionen bei der zahnärztlichen Existenzgründung 2024
Aus welchen Kosten besteht eine Zahnarztpraxis-Gründung?
Eine belastbare Investitionsplanung sollte sämtliche Kostenblöcke von Beginn an zusammenführen. Einzelne Angebote isoliert zu betrachten, reicht nicht aus.
1. Kaufpreis oder Kosten für die Praxisräume
Bei einer Übernahme setzt sich der Kaufpreis üblicherweise aus dem materiellen Praxiswert und dem ideellen Wert zusammen. Zum materiellen Wert gehören beispielsweise Geräte, Möbel und sonstige vorhandene Ausstattung. Der ideelle Wert berücksichtigt unter anderem Patientenstamm, Standort, Praxisorganisation und Ertragssituation.
Bei einer Neugründung treten an die Stelle des Kaufpreises vor allem Kosten für Kaution, Planung, Genehmigungen, Ausbau und technische Erschließung der Räume. Vor Unterzeichnung eines langfristigen Mietvertrags sollte geklärt sein, ob die Fläche baurechtlich, technisch und wirtschaftlich für eine Zahnarztpraxis geeignet ist.
2. Planung, Umbau und Praxisausbau
Zahnarztpraxen stellen besondere Anforderungen an Elektroinstallation, Wasser, Druckluft, Absaugung, Hygiene, Röntgenschutz, Schallschutz, Barrierefreiheit und Raumabläufe. Bereits kleine Änderungen am Grundriss können Auswirkungen auf mehrere Gewerke haben.
Eine frühzeitige, gewerkeübergreifende Planung reduziert das Risiko teurer Nachträge und Verzögerungen. MediWerkverbindet Standortentwicklung, Wirtschaftlichkeit, Architektur, Innenausbau, Einrichtung und Medizintechnik zu einem koordinierten Gesamtprozess – von der Bedarfsanalyse bis zur Übergabe der Praxisräume.
3. Dentalgeräte und medizinische Technik
Behandlungseinheiten, Röntgentechnik, Sterilisation, Aufbereitung, Kompressoren, Absaugung und gegebenenfalls digitale Fertigung bilden häufig den größten Investitionsblock einer Neugründung.
Entscheidend ist nicht, möglichst viel Technik zu kaufen. Die Ausstattung muss zum geplanten Behandlungskonzept, zur erwarteten Auslastung und zur späteren Erweiterbarkeit passen. Angebote für Dentaltechnik und Praxisausstattung sollten deshalb nicht nur nach Anschaffungspreis, sondern auch nach Folgekosten, Service, Finanzierung, Schnittstellen und Ausfallsicherheit verglichen werden. Einen weiteren Anlaufpunkt im dentalen Partnerumfeld bietet Dentagon.
4. Einrichtung, IT und Digitalisierung
Neben Empfang, Wartebereich, Behandlungszimmern und Sozialräumen gehören heute auch Netzwerk, Server- oder Cloudstruktur, Praxissoftware, Telefonie, Datensicherung, IT-Sicherheit und digitale Patientenprozesse zur Grundausstattung.
Gerade bei der IT sind nicht nur die einmaligen Anschaffungskosten relevant. Wartung, Lizenzen, Updates, Support und notwendige Ersatzinvestitionen beeinflussen die laufenden Praxiskosten.
5. Beratung, Finanzierung und Absicherung
Businessplan, Rentabilitätsvorschau, Liquiditätsplanung, Finanzierungskonzept, Versicherungen und Vertragsprüfung verursachen ebenfalls Kosten. Gute Beratung soll die Investition jedoch nicht unnötig vergrößern, sondern Fehlentscheidungen vermeiden und die wirtschaftliche Tragfähigkeit sichern.
MedConsult Leipzig begleitet Zahnärztinnen und Zahnärzte bei Praxisgründung, Businessplan, Finanzierung und wirtschaftlicher Planung. Dabei sollten Praxis- und Privatfinanzen gemeinsam betrachtet werden: Die Finanzierung muss nicht nur zur Praxis, sondern auch zur persönlichen Lebensplanung passen.
6. Personal und Vorbereitung der Eröffnung
Personal wird häufig bereits vor dem ersten Behandlungstag benötigt. Vorstellungsgespräche, Einarbeitung, Schulungen, Arbeitskleidung und Gehälter in der Anlaufphase müssen daher frühzeitig in die Liquiditätsplanung aufgenommen werden.
Auch Kosten für Praxismarketing, Website, Beschilderung, Eröffnungsmaßnahmen und die Gewinnung neuer Patientinnen und Patienten entstehen oft, bevor die Praxis ihren geplanten Umsatz erreicht.
7. Betriebsmittel und Liquiditätsreserve
Eine Praxis ist mit der Schlüsselübergabe noch nicht vollständig finanziert. Miete, Gehälter, Material, Versicherungen, Software, Finanzierungskosten und private Lebenshaltung laufen weiter – auch wenn die Umsätze in den ersten Monaten noch nicht das Zielniveau erreicht haben.
Eine ausreichend bemessene Liquiditätsreserve verhindert, dass bereits normale Anlaufkosten zu finanziellen Engpässen führen. Ihre Höhe sollte aus dem konkreten Umsatz-, Kosten- und Personalplan abgeleitet werden und nicht aus einer pauschalen Faustformel.
Wo lässt sich sinnvoll sparen – und wo besser nicht?
Wirtschaftlich zu planen bedeutet nicht, an jeder Position die günstigste Lösung zu wählen. Entscheidend ist, welche Investition für den geplanten Praxisbetrieb tatsächlich notwendig ist.
Sinnvolle Einsparpotenziale liegen häufig in:
- einer realistischen Praxisgröße statt unnötiger Reserveflächen,
- einer klaren Trennung zwischen notwendiger Startausstattung und späteren Erweiterungen,
- dem Vergleich von Kauf, Leasing und Finanzierung,
- abgestimmten Ausschreibungen und Angebotsvergleichen,
- gebündelten Einkaufskonditionen,
- einer frühzeitigen Koordination aller Planer und Gewerke,
- sowie der Vermeidung später Umplanungen.
Nicht gespart werden sollte an einer belastbaren Standortprüfung, funktionierenden Praxisabläufen, technischen Schnittstellen, Hygiene, IT-Sicherheit und ausreichender Liquidität.
ConcluDENT® unterstützt Zahnarztpraxen mit gebündelten Einkaufsvorteilen, ausgewählten Partnern, Expertenwissen und einem Netzwerk für unterschiedliche Phasen des Praxislebens. Gerade bei größeren Investitionen kann es sinnvoll sein, Konditionen und Leistungen über ein spezialisiertes Netzwerk zu vergleichen.
Was bedeutet eine Investition von 450.000 oder 690.000 Euro monatlich?
Die Investitionssumme allein sagt noch nicht, ob eine Gründung wirtschaftlich tragfähig ist. Entscheidend sind unter anderem:
- die Höhe und Laufzeit der Finanzierung,
- der Zinssatz und mögliche tilgungsfreie Anlaufzeiten,
- der realistisch erreichbare Praxisumsatz,
- Personal-, Raum- und Materialkosten,
- private Entnahmen und Absicherung,
- notwendige Ersatzinvestitionen,
- sowie ein finanzieller Puffer für Abweichungen vom Plan.
Eine niedrigere Investition ist nicht automatisch die bessere Entscheidung. Eine ungeeignete Lage, veraltete Technik oder zu kleine Räume können das Wachstum dauerhaft begrenzen. Umgekehrt muss eine moderne, großzügig geplante Praxis auch genügend Umsatz erwirtschaften, um ihre höheren Fixkosten zu tragen.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht nur: Wie viel kann ich finanzieren? Sondern: Welche Praxis passt zu meinem Behandlungskonzept, meiner Lebensplanung und dem realistisch erreichbaren Umsatz?
Fünf Schritte zu einem belastbaren Kostenplan
- Gründungsmodell festlegen: Übernahme, Neugründung oder Einstieg in eine Berufsausübungsgemeinschaft vergleichen.
- Standort und Flächenbedarf prüfen: Patientenpotenzial, Wettbewerb, Personalmarkt und technische Eignung der Räume bewerten.
- Gesamtinvestition erfassen: Kaufpreis, Bau, Geräte, Einrichtung, IT, Beratung und Betriebsmittel in einem Plan zusammenführen.
- Rentabilität und Liquidität berechnen: Realistische Umsätze, laufende Kosten, private Entnahmen und Reserven berücksichtigen.
- Angebote und Verträge abstimmen: Erst verbindlich bestellen oder unterschreiben, wenn Finanzierung, Zuständigkeiten und Zeitplan zusammenpassen.
Häufige Fragen zu den Kosten einer Zahnarztpraxis-Gründung
Wie viel kostet die Übernahme einer Zahnarztpraxis?
Nach dem InvestMonitor 2024 lag der durchschnittliche Kaufpreis einer übernommenen Einzelpraxis bei 226.000 Euro. Einschließlich Modernisierung, Geräten, Einrichtung, IT und Betriebsmitteln betrug die durchschnittliche Gesamtinvestition 450.000 Euro.
Wie viel kostet die Neugründung einer Zahnarztpraxis?
Bei Einzelpraxisneugründungen lag der Median 2024 bei 690.000 Euro. Der Durchschnitt betrug 853.000 Euro, wurde aber durch einzelne große und besonders technisierte Praxen deutlich nach oben beeinflusst.
Ist eine Praxisübernahme grundsätzlich günstiger als eine Neugründung?
Im Durchschnitt ja. Eine Übernahme kann zudem den Vorteil eines vorhandenen Patientenstamms und früherer Umsätze bieten. Ob sie im konkreten Fall wirtschaftlicher ist, hängt jedoch vom Kaufpreis, dem Zustand der Räume und Geräte sowie dem notwendigen Modernisierungsaufwand ab.
Wie viel Eigenkapital benötige ich?
Es gibt keinen für jede Gründung passenden festen Prozentsatz. Banken bewerten unter anderem das Praxiskonzept, die Ertragsplanung, die persönliche Bonität, vorhandene Sicherheiten und den Liquiditätspuffer. Deshalb sollte die Finanzierungsstruktur immer individuell berechnet werden.
Welche Kosten werden am häufigsten unterschätzt?
Häufig unterschätzt werden technische Umbauten, zusätzliche Elektro- und Installationsarbeiten, IT und Schnittstellen, Genehmigungen, Personalkosten vor der Eröffnung, Marketing sowie der Betriebsmittelbedarf während der Anlaufphase.
Kann ich eine Zahnarztpraxis auch mit weniger als 500.000 Euro gründen?
Das kann möglich sein – beispielsweise durch die Übernahme einer kleineren Praxis, einen geringen Modernisierungsbedarf oder eine bewusst schlanke Startausstattung. Ob das Budget ausreicht, lässt sich aber erst nach Prüfung des konkreten Standorts, der Räume, der Technik und des geplanten Leistungsangebots seriös beurteilen.
Fazit: Nicht die niedrigste Investition, sondern der tragfähige Gesamtplan entscheidet
Die Gründung einer Zahnarztpraxis kostet häufig mehrere Hunderttausend Euro. Aktuelle Vergleichswerte bieten eine erste Orientierung, ersetzen aber keine individuelle Planung.
Eine gute Gründung verbindet Standort, Raumkonzept, Technik, Finanzierung, Personal und persönliche Lebensziele zu einem realistischen Gesamtbild. Wer diese Bereiche frühzeitig gemeinsam betrachtet, kann Kosten besser steuern, Risiken reduzieren und seine Praxis so aufbauen, dass sie nicht nur eröffnet, sondern langfristig erfolgreich betrieben werden kann.
Sie stehen noch am Anfang Ihrer Überlegungen? Starten Sie den kostenfreien Gründungs-Navigator auf Existenzgründung.dental oder entdecken Sie aktuelle Zahnarztpraxen und Praxisflächen auf praxisangebote.dental.
Transparenzhinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine individuelle Finanzierungs-, Steuer-, Rechts- oder Investitionsberatung. Die genannten Werte stammen aus dem InvestMonitor Zahnarztpraxis 2024 und können je nach Standort, Praxisform, Größe, Ausstattung und persönlicher Ausgangssituation erheblich abweichen. praxisangebote.dental, ConcluDENT®, MediWerk und Existenzgründung.dental sind verbundene Angebote der SECONdent® GmbH beziehungsweise ihres Netzwerks. Verlinkungen zu Partnern können geschäftliche Beziehungen betreffen.




