Was verdient ein Zahnarzt mit eigener Praxis? Eine pauschale Antwort wäre irreführend: Praxisgröße, Zahl der Inhaber, Behandlungsschwerpunkte, Auslastung und Finanzierung beeinflussen das Ergebnis. Umsatz, statistischer Reinertrag und persönlich verfügbares Einkommen sind unterschiedliche Größen.
Redaktionell aktualisiert am 30. September 2026. Statistisches Berichtsjahr: 2024.
Aktuelle Zahlen: Einnahmen, Aufwendungen und Reinertrag
| Kennzahl | 2024 je Zahnarztpraxis |
|---|---|
| Durchschnittliche Einnahmen | 937.000 Euro |
| Durchschnittliche Aufwendungen | 632.000 Euro |
| Durchschnittlicher Reinertrag | 305.000 Euro |
| Median des Reinertrags | 217.000 Euro |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 23. Juli 2026. Die bundesweiten Praxiswerte lassen sich nicht unmittelbar auf einzelne Inhaber oder Standorte übertragen. Der Median beschreibt die Mitte der Verteilung und liegt deutlich unter dem Durchschnitt.
Warum Reinertrag nicht gleich persönliches Einkommen ist
Destatis weist ausdrücklich darauf hin, dass der Reinertrag nicht mit Gewinn oder Einkommen der Inhaber gleichgesetzt werden darf. Unter anderem bleiben Aufwendungen für die Praxisübernahme und die persönliche Absicherung der Inhaber in dieser Kennzahl unberücksichtigt.
Für Ihre eigene Planung benötigen Sie deshalb mehrere getrennte Betrachtungen:
- Umsatz: Welche Erlöse erzielt die Praxis aus ihren Leistungen?
- Betriebliches Ergebnis: Was verbleibt nach den betrieblichen Aufwendungen? Grundlage sind die tatsächlichen Unterlagen und die angewandte Gewinnermittlung.
- Liquidität: Welche Zahlungen stehen wann zur Verfügung? Auch Tilgung, Investitionen und Rücklagen gehören in diese Planung.
- Privat verfügbarer Betrag: Was bleibt nach persönlichen Steuern, Krankenversicherung, Altersvorsorge und weiteren privaten Verpflichtungen?
Beispielrechnung: Was bleibt vom Umsatz übrig?
Die folgende vereinfachte Rechnung dient ausschließlich der Veranschaulichung und ist kein Branchenmittelwert:
- Angenommener Jahresumsatz: 600.000 Euro
- Angenommene betriebliche Aufwendungen: 420.000 Euro
- Rechnerisches Ergebnis: 180.000 Euro
- Ergebnisquote: 180.000 / 600.000 × 100 = 30 Prozent
Die 180.000 Euro sind in diesem Beispiel kein verfügbares Nettogehalt. Zusätzlich müssen insbesondere persönliche Steuern und Absicherung sowie die Liquiditätswirkung von Tilgungen und Investitionen betrachtet werden. Welche Positionen bereits enthalten sind, muss bei jedem Vergleich eindeutig feststehen.
Welche Kosten beeinflussen den Praxisgewinn?
Laufender Praxisbetrieb
Wichtige Kostenblöcke sind Personal einschließlich Arbeitgeberanteilen, Material und Fremdlabor, Miete und Nebenkosten, Wartung, IT und Software, Versicherungen sowie Verwaltung. Pauschale Prozentwerte ersetzen keine Auswertung Ihrer Praxis. Vergleichen Sie mehrere Jahre und erklären Sie größere Veränderungen, beispielsweise zusätzliche Mitarbeitende oder veränderte Laboranteile.
Praxisübernahme und Modernisierung
Zum Kaufpreis können Umbau, technische Erneuerung, IT, Beratung und eine Liquiditätsreserve hinzukommen. Prüfen Sie daher den gesamten Kapitalbedarf. Ein günstiger Kaufpreis kann durch hohen Investitionsbedarf relativiert werden. Die aktuellen Praxisangebote zeigen unterschiedliche Standorte und Ausstattungen; maßgeblich sind die Angaben und der Status im jeweiligen Exposé.
Wirtschaftlichkeit vor einer Praxisübernahme prüfen
- Zahlen nachvollziehen: Jahresabschlüsse beziehungsweise Einnahmenüberschussrechnungen, aktuelle BWA und die Entwicklung der Erlöse und Kosten gemeinsam mit der Steuerberatung prüfen.
- Inhaberleistung einordnen: Arbeitszeit, Behandlungsschwerpunkte und Zahl der Behandler mit Ihrem geplanten Konzept vergleichen.
- Investitionsbedarf erfassen: Geräte, Räume, IT und notwendige Anpassungen vor Ort bewerten.
- Verträge und Team berücksichtigen: Mietlaufzeit, Personalkosten und weitere Verpflichtungen fachkundig prüfen lassen.
- Mehrere Szenarien rechnen: Auch geringere Anfangsauslastung, höhere Kosten oder verzögerte Investitionen berücksichtigen.
Für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg sind bundesweite Durchschnittswerte nur ein erster Orientierungspunkt. Entscheidend sind das konkrete Einzugsgebiet, die Erreichbarkeit, die Patientenstruktur, das Team und die wirtschaftlichen Unterlagen des jeweiligen Angebots.
Häufige Fragen zum Gewinn einer Zahnarztpraxis
Was ist ein guter Praxisgewinn?
Das hängt von Arbeitszeit, eingesetztem Kapital, unternehmerischem Risiko und Ihrer privaten Finanzplanung ab. Eine einzelne Umsatzrendite genügt für diese Beurteilung nicht. Die Praxis sollte laufende Verpflichtungen, angemessene Rücklagen und Ihren Lebensunterhalt dauerhaft tragen können.
Wie viel kann ich monatlich entnehmen?
Planen Sie Entnahmen anhand einer belastbaren Liquiditätsrechnung und abgestimmter Steuerrücklagen. Eine feste Quote des Praxisgewinns ist dafür ungeeignet. Die passende Höhe ermitteln Sie mit Ihrer Steuerberatung anhand Ihrer tatsächlichen Situation.
Verdienen Selbstständige grundsätzlich mehr als Angestellte?
Ein Praxisreinertrag lässt sich nicht direkt mit einem Bruttogehalt vergleichen. Bei einer eigenen Praxis kommen Kapitalbindung, Verantwortung und unternehmerisches Risiko hinzu. Für einen fairen Vergleich sind außerdem Arbeitszeit, persönliche Absicherung und sämtliche Kosten zu berücksichtigen.
Ist eine Übernahme wirtschaftlicher als eine Neugründung?
Das lässt sich nur für konkrete Alternativen beantworten. Bei der Übernahme können vorhandene Abläufe und ein bestehender Patientenstamm helfen. Bei der Neugründung stehen Gestaltungsspielraum und Anlaufphase im Vordergrund. Vergleichen Sie Kapitalbedarf, Liquidität und Entwicklungsmöglichkeiten beider Wege.
Ihre nächsten Schritte zur eigenen Zahnarztpraxis
Sie möchten eine Zahnarztpraxis kaufen oder übernehmen? praxisangebote.dental begleitet Ihre Suche in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Wir helfen Ihnen, Angebote einzuordnen und die nächsten Schritte zu strukturieren. Für eine individuelle steuerliche oder rechtliche Beurteilung beziehen Sie die entsprechenden Fachberater ein.